Life-changing, to say the least

 von Tiare Feuchtner Für all jene von euch, an denen das vorbei gegangen ist: Wir waren letzte Woche in St. Petersburg bei den Worldwide Finals des Microsoft Imagine Cup! Und… wir haben gewonnen! Hier ist ein Bericht unserer Erlebnisse. Ich habe ehrlich versucht, es so kurz wie möglich zu fassen. Nachdem wir den Samstag und Sonntag wie gute Touristen mit Sightseeing verbracht hatten, zogen wir am Montag von unserem kleinen,…

von Tiare Feuchtner

Für all jene von euch, an denen das vorbei gegangen ist: Wir waren letzte Woche in St. Petersburg bei den Worldwide Finals des Microsoft Imagine Cup! Und… wir haben gewonnen!

Hier ist ein Bericht unserer Erlebnisse. Ich habe ehrlich versucht, es so kurz wie möglich zu fassen.
Nachdem wir den Samstag und Sonntag wie gute Touristen mit Sightseeing verbracht hatten, zogen wir am Montag von unserem kleinen, gemütlichen Hostel im Stadtzentrum in das riesige Park Inn Hotel um, in welchem der Imagine Cup abgehalten wurde. Es war unglaublich aufregend neben all den anderen Teams aus aller Welt einzuchecken. Wir fühlten uns plötzlich ungewohnt wichtig und besonders, weil wir so gut betreut und umsorgt wurden. Es ist wirklich eine sehr unbekannte und eigenartige Welt für bescheidene Studenten und „Nobodies“ wie wir es sind.

Nach einer schnellen Einführung mit Andrew Parsons, wurden wir hinaus gelotst, um vor dem Hotel ein riesen Gruppenfoto zu machen. Es entstand herrliche Verwirrung und das wunderbarste Chaos, als eine einzelne Frau mit einem allzu leisen Megaphon versuchte hunderte junge, aufgeregte Leute, welche zum Teil auch der englischen Sprache nicht ganz mächtig waren, zu organisieren. Aber zu guter Letzt klappte es ja doch.

Imagine Cup - Group Photo

Dann durften wir endlich unseren Mentor Rainer Stropek kennenlernen, welcher uns zum speziellen Willkommens-Dinner für Westeuropa begleitete. Zusammen mit einer Handvoll Teams der anderen “kleinen” Europäischen Länder (wie Irland, Italien, Portugal und Belgien), wurden wir in ein Speisezimmer geführt und begannen, mangels Ansprachen oder Anweisungen, uns schüchtern zu unterhalten und beklommen am Essen zu knabbern. Kurz gefasst bestand dieses Event aus einen riesigen Buffet und einer Abwesenheit alkoholischer Getränke, was von einem Irischen Mentor prompt bemerkt wurde.
Wir verließen die Gesellschaft aber schon bald, ohne auch nur vom gebratenen Schweinshaxen der als Hauptspeise serviert wurde zu probieren, um unsere Speaker Coaching Session in Anspruch zu nehmen. Während wir drauf warteten dran zu kommen, trafen wir auf Jan und das deutsche Team metappolic, die in der Woche gute Freunde geworden sind. Nachdem Michi eine tolle Präsentation gehalten und der Coach uns gutes Feedback gegeben hatte, bekamen wir auch noch viele wertvolle Ratschläge von Rainer. So verbrachten wir dann die halbe Nacht damit unsere Präsentation zu verbessern und einzustudieren.

Imagine Cup - Team Meeting

Am Dienstag waren wir die letzte Gruppe in der Games Kategorie, die Präsentieren musste, was uns glücklicherweise noch mehr Vorbereitungszeit gab. Nichtsdestotrotz fühlten wir uns unvorbereitet und der Schlafmangel trug auch nicht unbedingt zu unserem Wohlbefinden bei. Um 14:40 war es an der Zeit vor die Jury zu treten: Larry Hryb, Adam Sessler, Laura Parker, Kevin Dent, und Alexey Pajitnov (der Macher von TETRIS). Alle sahen müde aus, was ja zu erwarten ist, nach so einem langen Präsentations-Tag (und vermutlich auch einer langen Nacht an der Bar) – außer Alexey, der lächelte und uns zuwinkte, was uns wirklich sehr aufheiterte! Michi rauschte durch die Präsentation und es schien als wäre das restliche Team viel nervöser als er selbst. Aber dann kamen die Fragen. Brutal ehrliche Fragen. Wir hatten uns so gut vorbereitet, und sogar einige der Fragen vorhergesehen, aber die Antworten verliefen einfach nicht so wie wir sie eingeübt hatten. Im Nachhinein denk ich, wir haben einige Fragen doch recht gut beantwortet, aber zu dem Zeitpunkt fühlte es sich an als wären wir verloren.

Imagine Cup - Presentation

Wir marschierten raus und machten uns daran unseren Stand für den Showcase am Abend aufzubauen. Währenddessen hatten wir ein Interview und wir unterhielten uns sehr nett mit Claudia und Rudi, die Österreichische Presse die uns begleitete.

Nach einem kurzen, wohlverdienten Nickerchen stolperten wir zum Women’s Innovation Dinner, wo wir überglücklich waren ein ausgezeichnetes Abendessen anzutreffen – sogar mit Wein! Gestärkt und erfrischt machten wir uns danach auf zum Presse Showcase. Es machte unglaublich Spaß unseren Stand zu betreuen, und allen die es sehen wollten unser Spiel zu präsentieren. Vor allem genossen wir die Gesellschaft unserer Mitstreiter und freundeten uns schnell mit den Teams aus Puerto Rico, Tschechien und der Türkei an. Der Showcase ging bis spät in die Nacht hinein und als es vorbei war, waren wir unglaublich müde, aber guter Dinge.

Imagine Cup - Schein Booth

Bald fielen uns aber wieder all die verdammt schwierigen Fragen ein, und wir steckten die Köpfe zusammen, um uns auf den nächsten Tag vorzubereiten, an dem die Judges das Spiel in 15-Minuten Sessions einzeln testen würden. Wir arbeiteten bis in die frühen Morgenstunden, polierten unser Spiel auf, studierten bessere Antworten auf die Fragen ein und dachten über die schwierigen Themen nach, die sie aufwarfen.

Am Mittwoch fühlten wir uns wie erschlagen, als uns der Wecker früh aus dem Schlaf riss, und eilten um 8 zur ersten Judging-Session. Es fing mit Laura Parker an, die uns fröhlich begrüßte und das Spiel scheinbar echt toll fand. Als zweites war Kevin Dent dran, der überraschenderweise nicht bei seinen Fragen vom Vortag nachhakte. Er überhäufte uns mit guten Tipps und Ermutigung, was uns ungemein erleichterte. Dann versuchte sich Larry Hryb an Schein, und auch er hatte positives Feedback für uns. Adam Sessler hatte uns am Vortag auch ein wenig nervös gemacht, aber als er dann an der Reihe war, hielt ihn eines unserer Puzzle dermaßen im Bann, dass er unter Fluchen und Stampfen ganz eindeutig viel Spaß damit hatte. Und auch wir hatten unsere Freude damit! Schließlich wurde unser Stand vom Macher von Tetris höchstpersönlich besucht, Alexey Pajitnov – ein unglaublich sympathischer Kerl. Unsere Eindrücke von diesem Tag waren so gegensätzlichen zu denen vom Vortag und wir waren stark zwar verwirrt aber auch unsagbar erleichtert.

Imagine Cup - Hands-on Judging

Am Nachtmittag hatte Microsoft für uns einen Kultur-Tag organisiert, der hauptsächlich einem Schulausflug glich. Wir sind einige sonnige Stunden lang durch ein “traditionelles”, russisches Dörfchen geschlendert (welches anscheinend aus dem einzigen Grund gebaut wurde, um einmal im Jahr eine Horde Studenten zu unterhalten). Es gab Spiele, betreut von eigenartig gekleideten Russen, und ein paar Bauernhoftiere, die wir wie Aliens anstarrten – bestimmt eine Folge des Schlafmangels. Wir schwelgten in Kindheitserinnerungen, während wir traditionelle, russische Puppen bastelten, oder Wand-Deko bemalten. Wir versuchten uns auch an “männlicheren” Aktivitäten, wie Speerwerden, Schmieden und Sägen.

Imagine Cup - Culture Day

Später brachten uns die Busse zum Peterhof, einem großen Palast, in welchem Peter der Große auf dem Weg zur St. Peter und Paul Festung Halt zu machen pflegte. Hier lebte auch Kaiserin Elisabeth, in der Zeit vor sie den Thron bestieg. Genug Geschichtsunterricht… Wir wurden für ein weiteres chaotisches Gruppenfoto zusammen getrommelt, zu welchem wir wiedermal unsere Flagge nicht mitgebracht hatten. Dann spazierten wir durch die wunderschönen Gärten, bewunderten die Vielzahl an Springbrunnen und leuchtenden, goldenen Statuen, und hatten Spaß. Der Druck des Wettbewerbs war endlich weg und es fühlte sich unglaublich gut an endlich entspannen zu können und ausgelassen zu sein!

Imagine Cup - Culture Day

Als wir zum Hotel zurückkehrten, ging gerade sie Sonne unter und es war beinahe Mitternacht – das nennt man die „Weißen Nächte“. Wir zogen aus auf der Suche nach etwas zu trinken und versorgten uns beim Minimarket um die Ecke mit Bier, Wein und Vodka. Dann hatten wir bei Mannerschnitten und Mozartkugeln ein wunderbares Picknick mit unseren neuen deutschen, russischen und belgischen Freunden.

Ich muss wohl kaum erwähnen, dass wir diese Aktion am nächsten Morgen ein klein wenig bereuten und nur die Hälfte unseres Teams auch tatsächlich die Vorträge am Vormittag besuchte. Ich habe aber gehört, sie seien sehr interessant gewesen. Am frühen Nachmittag kehrten wir zu unserem Messestand zurück, um am letzten Showcase teilzunehmen, der für die Öffentlichkeit zugänglich war. Unser Stand war stark besucht und Schein hat sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Dann war es an der Zeit die Stände abzubrechen und uns für die Preisverleihung fertig zu machen. Wir waren unglaublich müde, uns war schlecht, ins unseren Köpfen wütete jemand mit einem Luftdruckhammer und die ansteigende Aufregung machte das Ganze auch nicht besser. Überraschenderweise sieht man uns unser Unbehagen auf den Bildern gar nicht an.

Imagine Cup - Before Winning

Wir suchten uns im wunderbaren Alexandrinsky Theater Plätze im vorderen Drittel und bewunderten die reichlich mit Gold verzierten Wände, Decken und Luster. Dann betragt Matt Smith (den ihr vielleicht von Doctor Who kennt) die Bühne und die Veranstaltung begann. Es folgten viele reden wichtiger Leute, welche in meinem Kopf nur noch ein Wirrwarr sind. Dazwischen wurden wir von talentierten, russischen Tänzern in bunten Kostümen unterhalten. Die ersten Sponsoren-Preise wurden verliehen und einer davon ging an die indische Gruppe, welche Rainer auch betreute. Es war toll zu sehen, wie sehr sie sich alle freuten! Dann schien die Zeit langsamer zu werden, die Spannung stieg ins unaushaltbare und sogar das Atmen wurde schwer. Ausnahmsweise hatten wir auch daran gedacht die Österreichische Flagge mitzubringen (wie es uns gesagt wurde), und mir fiel ein, dass ich ja gar nicht wusste ob der Adler denn nach links oder nach rechts schauen musste – wie peinlich wäre es auf der Bühne die Flagge falsch rum zu halten. Glücklicherweise gab es Internet und wir schauten schnell nach – danke Google! Als Alexey auf die Bühne kam und die Kategorie Games an der Reihe war, schien die Wirklichkeit zu verblassen. Der dritte Platz ging an Frankreich mit dem Spiel Seed. Wir hatten echt gehofft unter den 3 Gewinnern zu sein, und als der zweite Platz aufgerufen wurde, wäre ich aus Erwartung beinahe aufgestanden. Aber irgendwie wurde mir klar, dass das Spiel mit den Hamstern den Preis gewann. Das war es dann also… alles oder nichts. Ich glaub wir hielten alle unseren Atem an, und als Alexey nach Zeppelin Studio rief, dauerte es eine ganze Weile bis unsere Gehirne uns mitteilten, dass er damit uns meinte. Wir haben gewonnen! WIR HABEN GEWONNEN!!

Imagine Cup - We Won!

Mit zitternden Knien auf der Bühne zu stehen war unglaublich schwierig, und als wir uns wieder setzen durften war es wirklich schwierig nicht in Tränen auszubrechen. Wir haben es geschafft! Benommen sahen wir zu, wie die restliche Preisverleihung an uns vorüber zog. Dann wurden wir für ein Siegerfoto wieder zurück auf die Bühne gebeten. Hinter der Bühne trafen wir dann auf Matt Smith, der uns per Handschlag gratulierte und dann mussten wir uns in einem Saal für die Presse in einer Reihe aufstellen. Für die Fotos hielten wir die Pokale hoch und langsam wurden unsere Arme müde – die Dinger sind unglaublich schwer! (2,5 Kilo – ich hab’s abgewogen) Daraufhin wurden wir zum Sieger-Dinner geführt. Das Essen war unglaublich lecker und wurde nur dadurch erschwert, dass Journalisten mit am Tisch saßen und mit uns reden wollten.
Bald wurden wir aber auch schon wieder hinaus befördert und ein Bus brachte uns zu Abschlussfeier, wo wir endlich wieder mit unseren Mitstreitern zusammen trafen. Es tat gut endlich wieder aus dem Rampenlicht raus kommen und einfach mit Freunden zu Quatschen und zu trinken. Es war bedrückend die enttäuschten Gesichter jener zu sehen, die nicht gewonnen hatten, und es gab den Glückwünschen die wir bekamen etwas Trauriges.
Aber nächstes Jahr gibt es eine neue Chance und wir freuen uns drauf euch alle in Seattle wieder zu sehen!